Fairness im Hundetraining
„Fair“ ist ein Wort, das im Hundetraining schnell gesagt ist. Fast jede Methode bezeichnet sich selbst als fair, aber was kann das eigentlich bedeuten? Für mich beginnt Fairness nicht erst im Training selbst. Bei mir startet sie bereits mit meinem Blick auf das Mensch-Hund-Team.
Hund und Mensch sehen, wie sie sind
Bevor ich überhaupt an Übungen oder Trainingspläne denke, frage ich mich: Wer ist dieser Hund eigentlich? Welche Rasse steckt dahinter und wofür wurde diese ursprünglich gezüchtet? Wie alt ist er und was durfte er in seinem Leben bisher schon lernen? Genauso interessiert mich, wie er aufgewachsen ist und welche Erfahrungen er bereits gemacht hat.
Und dann schaue ich genauso auf den Menschen. Wie viel Zeit und Energie stehen realistisch für Training zur Verfügung? Welche Erfahrungen wurden bereits gemacht? Gab es vorher andere Hunde? Was bringt diese Person schon an Fähigkeiten mit? Was kann sie vielleicht richtig gut?
Wichtig ist auch das Mensch-Hund-Team gemeinsam zu beobachten. Wie arbeiten sie zusammen? Wer trifft welche Entscheidungen? Was haben sie schon gemeinsam erreicht (was vielleicht noch gar nicht so bewusst ist)?
Trainingsaufbau und -anpassung
Fairness zeigt sich für mich ganz konkret im Anlernen neuer Dinge. Ein Hund kann nur das zuverlässig zeigen, was er wirklich verstanden hat. Und dieses Verständnis entsteht nicht in einer einzigen Situation, sondern durch einen durchdachten Aufbau.
Ich lege Wert darauf, dass Training in nachvollziehbaren Schritten aufgebaut wird und dass ein Hund die Chance bekommt, Gelerntes an unterschiedlichen Orten zu übertragen. Ablenkung steigere ich bewusst und langsam. Ein Hund lernt nicht unabhängig von seiner Umgebung. Wetter, Temperatur, neue Orte oder auch einfach ein anstrengender Tag haben Einfluss darauf, wie gut er sich konzentrieren kann. Lieber gehe ich einen Schritt zurück, als dass ich Training einfach „durchziehe“. Wenn es heute nicht gut läuft, dann sortiere ich mich neu und starte nach einer Pause mit neuen Ideen und Energie.
Gleichzeitig gehört für mich dazu, geduldig zu sein und auszuhalten, dass der Hund selbst nachdenken darf. Ich möchte meinem Hund nicht vorsagen, was er tun soll. Ich möchte, dass er versteht, was er tun soll. Denn das, was ein Hund selbst erkennt, bleibt langanhaltend.
Lernen vs. dauerhaftes Management
Management hat im Alltag absolut seine Berechtigung. Es gibt Situationen, in denen Absichern oder Ab- und Umlenken notwendig und sinnvoll ist.
Aber wenn ich meinen Hund dauerhaft nur manage oder ihn immer wieder aus Situationen herausnehme, nehme ich ihm auch die Chance, sich weiterzuentwickeln.
Deshalb ist es mir wichtig, Trainingssituationen so zu gestalten, dass sie für den Hund überschaubar und wiederholbar sind. In einem solchen Rahmen kann er sich ausprobieren, verschiedene Verhaltensweisen testen und selbst erleben, was passiert, wenn er sein Verhalten verändert.
Diese eigenen Erfahrungen sind aus meiner Sicht der Schlüssel zu echtem Lernen. Sie geben dem Hund Sicherheit und Orientierung, die von außen vorgegebene Lösungen oft nicht erreichen.
Meine Wünsche für uns und unsere Hunde
Ich wünsche mir, dass wir im Training nicht nur auf unsere Hunde schauen, sondern auch ehrlich auf uns selbst. Was kannst du heute leisten? Wie viel Geduld, Klarheit und Ruhe bringst du gerade wirklich mit? Das ist genauso wichtig wie das, was dein Hund kann.
Ich wünsche mir, dass mehr Menschen sich trauen, einen Schritt zurückzugehen. Zu prüfen: Sind wir wirklich schon so weit? Und wenn nicht, ist das kein Scheitern, sondern eine wichtige Information. Und wenn ihr so weit seid, dann geht diesen nächsten Schritt mit Ruhe und Geduld.
Und ich wünsche mir, dass Hunde wieder mehr Raum bekommen, selbst zu lernen. Dass sie nicht ständig durch uns gesteuert werden, sondern die Möglichkeit haben, Dinge auszuprobieren, Zusammenhänge zu verstehen und daran zu wachsen.
Denn genau so entsteht nachhaltiges Training und am Ende auch echte Fairness.
Wenn du dich für ein Training mit mir interessierst, kannst du hier mehr Infos dazu finden! Wenn du nicht genau weißt, ob Gruppen- oder Einzeltraining zu dir und deinem Hund passt, dann schau gern mal hier rein.
Und einen Einblick in das Training mit meinen eigenen Hunden kannst du dir auf Instagram anschauen.