Von der Hundehalterin zur CANIS-Trainerin
Wenn ich gefragt werde, warum ich Hundetrainerin geworden bin, ist die Antwort ganz klar: mein erster Hund Snoopy.
Als Snoopy 2021 bei mir einzog, kam einiges anders als gedacht. Ich hatte mich vorbereitet und versuchte, alles richtigzumachen. Natürlich war mir klar, dass Hundehaltung auch Hundetraining beinhaltet und dass viel Arbeit sein kann. Bald gab es Situationen, in denen ich an meine Grenzen gekommen bin und gemerkt habe, dass Snoopy und sein Verhalten nicht so gut verstehe, wie ich es gern würde.
Schon bevor Snoopy einzog, hat mir eine Freundin den CANIS-Podcast empfohlen. Darin ging es nicht um konkrete Trainingsanleitungen oder Tipps, sondern um Zusammenhänge. Ich war fasziniert und wollte mehr wissen. Deshalb meldete ich mich zur Praktischen Woche bei CANIS an und bekam im Sommer 2023 einen Platz. Diese 5 Tage haben meine Sicht auf Hunde und Training nachhaltig verändert.
Eine Übung aus dieser Zeit ist mir bis heute besonders im Gedächtnis geblieben. Wir bekamen die Aufgabe, für einige Stunden unseren Fokus zu verändern. Weg vom Hund, hin zu uns selbst und zu den Menschen, mit denen wir vor Ort waren.
Für mich war das eine echte Herausforderung. Snoopy war mein erster Hund und ich hatte ihn viel im Blick, beobachtete seine Körpersprache und versuchte, möglichst früh zu erkennen, wann er wieder pöbeln würde, um es vielleicht verhindern zu können (konnte ich nicht, ich wusste ja auch noch nicht wirklich wie).
Schon nach weniger als einer Stunde, reagierte Snoopy auf meine fehlenden Blicke. Er war am Camper angebunden und durfte sich dort relativ frei bewegen. Sein Schlafplatz war direkt unter meinem Bett. Ich beschäftigte mich mit meinem Abendessen und redete mit anderen Teilnehmenden. Snoopy nutzte die Gelegenheit, sprang auf mein Bett und bellte mich an. Er wirkte empört und es klang fast, als würde er sagen: „Was soll das? Hier bin ich! Warum beachtest du mich nicht?“
Dieser Moment hat mich unglaublich berührt und irgendwie auch den Grundstein für die nächsten Jahre gelegt. Ich habe selbst gemerkt, wie kleine Änderungen, große Reaktionen beim Hund hervorrufen können. Mein vorheriger Fokus auf Snoopy war nicht gut für ihn und hat das Verhalten unterstützt, das ich nicht gut fand. Erst durch den Perspektivwechsel konnte er lernen, dass er nicht alles vorgibt (bzw. vorgeben muss) und dass ich die sichere Bank bin, an der er sich orientieren kann.
Diese Erkenntnis begleitet mich bis heute und beeinflusst auch meine Arbeit als Hundetrainerin.
Nach dieser Woche war für mich völlig klar, dass ich die Ausbildung bei CANIS beginnen möchte. Im Herbst 2023 ging es auch schon los.
Verhalten verstehen und Menschen begleiten
Während der Ausbildung habe ich viele verschiedene Bereiche kennengelernt und mein Wissen immer weiter vertieft. Mit der Theorie als Grundlage, wurde alles praktisch mit eigenen und fremden Hunden geübt. Ich habe gelernt, Trainingsmethoden kritisch zu hinterfragen, Zusammenhänge zu erkennen und Verhalten genauer einzuordnen.
Besonders wichtig war für mich dabei, Training nicht als Sammlung von fertigen Lösungen zu sehen, sondern immer zu hinterfragen: Was möchte ich erreichen und welcher Weg passt zu diesem Mensch-Hund-Team?
Besonders beeindruckt haben mich unsere Dozierenden. Man merkt bei allen, dass sie seit vielen Jahren praktisch mit Mensch-Hund-Teams arbeiten. Ihre Antworten sind auf theoretische Grundlagen gestützt und durch echte Erfahrungen untermauert.
Gleichzeitig gab es nie einfache Pauschalantworten. Es wird immer differenziert betrachtet: Welcher Hund? Welcher Mensch? Welche Situation? Welches Ziel?
Alle Dozierenden haben eigene Schwerpunkte und dadurch auch unterschiedliche Herangehensweisen. Trotzdem bleibt die gemeinsame Grundlage immer gleich: Verhalten verstehen, Entscheidungen begründen und Training sinnvoll aufbauen.
Gerade diese Mischung aus Fachwissen, Erfahrung und Offenheit beeindruckt mich sehr.
Auch meine Kommilitoninnen waren ein wichtiger Teil meiner Ausbildung. Vor allem im letzten Jahr haben wir gemeinsam gelernt, diskutiert, geübt und uns auf Prüfungen vorbereitet. Während der Workshops und Seminare brachten alle ihre eigenen Erfahrungen, Fragen und Blickwinkel mit. Unsere unterschiedlichen Perspektiven haben viele Themen bereichert.
Ich finde es unglaublich wertvoll, auch nach der Ausbildung Menschen zu haben, mit denen man sich austauschen, Fälle besprechen und voneinander lernen kann.
Eigentlich ist der Begriff Hundetraining ein bisschen irreführend, denn am Ende trainiere ich nicht den Hund, sondern leite Menschen dabei an. Klar, der Hund soll etwas lernen, aber dabei lernt der Mensch noch so viel mehr.
Weil der Großteil vom Hundetraining die Begleitung der Menschen ist, durfte ich auch viel über Mensch-Mensch-Kommunikation lernen und üben: Wie vermittle ich Wissen verständlich? Wie leite ich eine Übung so an, dass sie nachvollziehbar bleibt? Welche Ziele sind für dieses Mensch-Hund-Team realistisch?
Durch wechselnde Rollen in den Übungen durften wir selbst erleben, wie sich verschiedene Formulierungen und Anleitungssile anfühlen, sowohl aus Sicht der anleitenden Person als auch aus Sicht derjenigen, die eine Übung umsetzen soll.
Meine Aufgabe ist es, Zusammenhänge verständlich zu machen, Möglichkeiten aufzuzeigen und einen Trainingsweg zu entwickeln, den Mensch und Hund gemeinsam gehen können.
Und heute?
Vor wenigen Tagen habe ich meine Abschlussprüfungen bestanden: das Erstgespräch per Video, den Multiple-Choice-Test, das Fachgespräch und die praktischen Prüfungen.
Nun darf ich mich CANIS-Trainerin nennen und stehe neben vielen meiner Vorbilder als Absolventin auf der Webseite von CANIS. Ich kann es noch nicht so richtig glauben.
Was ich aus dieser Zeit mitnehme, ist nicht nur Fachwissen. Es ist die Fähigkeit, genauer hinzuschauen, Zusammenhänge zu verstehen und mein eigenes Handeln immer wieder zu reflektieren.
Genau diese Haltung möchte ich auch in meine Arbeit einbringen. Nicht mit fertigen Antworten für jedes Problem, sondern mit Verständnis für das jeweilige Mensch-Hund-Team, einem klaren Trainingsaufbau und dem gemeinsamen Weg zu mehr Sicherheit und Orientierung.
P.s.: Alle Bilder sind während meiner Prüfungstage von der wundervollen Kaya geschossen worden. 🙂